1994 habe ich CASSEL Messtechnik gegründet, von der ich überzeugt war, dass sie das erste Jahr nicht übersteht.
26 Jahre später habe ich sie verkauft. 60 Länder, 80 Prozent Export, über 1.000 Geräte im Jahr.
Den Businessplan hatte ich. Der Motor war ein anderer.
Angefangen hat es mit einem alten Kreidler Moped für 60 Mark. Mein Vater hat mir gezeigt, wie man sie repariert. Danach habe ich ganze Tage in der Garage verbracht und das Essen vergessen.
Was mich antreibt, ist, etwas Technisches zum Laufen zu bringen. Damals ein altes Moped. Später ein neues Produkt oder ein Ablauf im Betrieb, der nicht funktionierte.
1990 bin ich in die Firma meines Vaters eingetreten. Vier Mitarbeiter, Metalldetektoren zum Schutz von Maschinen. Messtechnik kannte ich von Kindesbeinen an.
Dann hatte ich eine Produktidee: Metalldetektoren für Lebensmittel-Produktionslinien. Nicht um Maschinen zu schützen, sondern Verbraucher. Zusammen mit einem Physiker habe ich das Gerät an Abenden und Wochenenden entwickelt. Es hat mir zu viel Spaß gemacht, um damit aufzuhören. Mein Vater wollte seine Firma nicht vergrößern. Ich war Mitte zwanzig und habe meine eigene gegründet, die Cassel Messtechnik. Geholfen hat, dass ich jung und naiv war.
50.000 Mark Erspartes, 8.000 Mark Fixkosten im Monat, zwei Mitarbeiter. Es kamen Aufträge. Nicht viele, aber genug für eine schwarze Null im ersten Jahr.
1997 kam das Internet, und mit ihm das Auslandsgeschäft.
2004 dann ein eigenes Produktionsgebäude. Das Land Niedersachsen hat uns als führendes Technologieunternehmen eingestuft und 25 Prozent der Kaufkosten übernommen. Zur Eröffnung kam der Wirtschaftsminister. Im Gegenzug hatte ich mich verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren eine festgelegte Zahl neuer Leute einzustellen.
2005 kam ein zweites Werk in Thailand. Ich war damals ständig unterwegs zu Kunden und Vertretungen. Von allen Ländern hat mir Thailand am besten gefallen. 2007 bin ich hingezogen und habe beide Firmen parallel geführt. Der wahre Grund dafür war Abenteuerlust.
Viel Freizeit war das nie. Aber jeder kleine Teilerfolg war ein tolles Gefühl, und das ist bis heute so.
Der Gewinn kam nie vorweg. Er ist der Begeisterung hinterhergelaufen.
Nr. 237 · Cord Cassel · Zuerst erschienen auf LinkedIn, hier in der Originalfassung.