Eine Stunde pro Angebot. So lange hat das nach der Gründung von CASSEL Messtechnik 1994 gedauert. Die meiste Zeit davon habe ich nicht gerechnet, sondern gesucht.
Die Angebote lagen als Word-Dateien auf dem Server. Der Reihe nach, mit Angebotsnummer, nach Jahren abgelegt. Welche Nummer welche Anwendung war, stand nirgends. Wer wissen wollte, wie wir so einen Fall schon einmal gelöst hatten, machte Dateien auf. Viele Dateien. Oder fragte den, der es im Kopf hatte. Das war meistens ich.
Dann Preise aus der Liste suchen, Einzelpositionen von Hand addieren, Rabatt drauf. Einmal ist dabei ein Steuergerät für 2.000 Euro durchgerutscht. Verkauft war ein Komplettsystem. Also haben wir es auf eigene Kosten nachgeliefert.
Irgendwann gingen Angebote verloren, dann Aufträge. Keiner hatte mehr den Überblick, was überhaupt im Haus war. Die Firma war für Word und Excel zu groß geworden.
Wir haben eine Access-Datenbank aufgesetzt und Anwendungsdaten eingetragen, damit man wenigstens ein bisschen suchen konnte. 2003 kam das ERP-System. Danach dauerte ein Angebot mit Kalkulation zehn Minuten.
Was das ERP nicht gelöst hat: die Sonderanwendungen. Den Standardfall konnte jetzt jeder finden. Bei allem, was vom Standard abwich, kam die Frage trotzdem an meinen Schreibtisch. 26 Jahre lang.
Das dürfte in vielen Betrieben bis heute so sein. Das System kennt die Artikel. Was es nicht kennt, ist der Grund, warum in dem einen Angebot damals der andere Sensor drin war. Der steht in einer E-Mail oder in einem Kopf.
Wer heute über KI im Angebotswesen nachdenkt, könnte bei dieser Frage anfangen. Den Sprung von einer Stunde auf zehn Minuten hat das ERP schon gemacht. Der Rest steckt woanders.
Wo landen bei Ihnen die Fragen, die Ihr ERP nicht beantwortet?
Nr. 321 · Cord Cassel · Zuerst erschienen auf LinkedIn, hier in der Originalfassung.