Gefroren, minus 18 Grad. So stand es im Fragebogen.
Bei CASSEL Messtechnik haben wir Metalldetektoren für Produktionslinien in der Lebensmittelindustrie gebaut. Mit Fragebögen haben wir die Daten vom Kunden ermittelt: Produkt, Temperatur, Feuchte, Durchsatz. Die Handelsvertretung füllte sie beim Kunden aus, wir haben daraus das System konfiguriert.
Diesmal eine Großbäckerei. Die Backwaren kommen aus dem Ofen und fahren durch einen Kühltunnel, der nominell auf minus 18 Grad kühlt. Aber kühlen kostet Energie, also kühlt der Kunde nur so weit wie nötig. Was durch unseren Metalldetektor lief, war außen kalt und im Kern noch warm und feucht. Feuchtigkeit verändert das Signal. Der Metalldetektor erreichte damit seine zugesagte Detektionsleistung nicht und warf einwandfreie Ware aus.
Niemand hatte den Fragebogen falsch ausgefüllt. Minus 18 Grad war die Spezifikation der Linie. Aber die Praxis war anders.
Wir haben danach eine Anwendungsnotiz geschrieben über die Besonderheiten von Metalldetektoren in industriellen Großbäckereien.
Nach dem dritten Fall war die Notiz im Haus bekannt. Beim vierten Angebot hing es trotzdem daran, wer es bearbeitete.
Eine KI-basierte Angebotssoftware würde aus dem Fragebogen die Anwendung erkennen: Großbäckerei. Sie würde dazu das Erfahrungswissen der Firma heranziehen und im Angebot benennen, worauf es dort ankommt. Zum Beispiel, dass die Detektionsleistung mit der Temperatur der Backware schwankt.
Wie oft hängt bei Ihnen ein Angebot daran, wer es gerade bearbeitet?
Serie „Aus drei Jahrzehnten als Hersteller” — Was unsere Fragebögen nie erfasst haben.
Nr. 322 · Cord Cassel · Zuerst erschienen auf LinkedIn, hier in der Originalfassung.