Serie K — Vom KI-Hype zum Organisationsprojekt · 29. September 2026

2003 hatten wir gerade ein ERP eingeführt. Als der Server im Haus nach einem Windows-Update stillstand, …

Warum gesunde Skepsis gegenüber KI-Versprechen der richtige Instinkt ist — „Superkräfte“-Sprache als Warnsignal

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2003 hatten wir gerade ein ERP eingeführt. Als der Server im Haus nach einem Windows-Update stillstand, rief die ganze Firma sofort: Wir können nicht weiterarbeiten. Dieselben Leute, die zwei Jahre vorher gegen das ERP waren.

Der Widerstand kam damals aus Vertrieb, Angebotswesen, Arbeitsvorbereitung. Niemand konnte sich den eigenen Arbeitstag ohne die bisherige wohlig-warm vertraute alt hergebrachte Arbeitsumgebung vorstellen.

Dazwischen lag eine Anordnung. Jedes Angebot und jeder Auftrag hat im ERP zu stehen, mit einer Beschreibung der Anwendung. Das ERP als alleinige Quelle der Wahrheit. Die Anordnung allein hat die Doppelablage nicht beendet, weil die Suchfunktion des ERP zu hakelig war. Erst mit einer selbst gebauten Suchsoftware, um Projekt, Kunde und Artikel in Sekunden zu finden, kippte das Verhalten: Der Weg über das ERP wurde bequemer als der Weg über die alte Ablage.

Heute liest man überall, wie KI im Betrieb Stufe für Stufe wächst. Erst ist sie ein Werkzeug. Dann eine Art digitaler Mitarbeiter. Am Ende ein Agent, der alles selbst erledigt. Für eine Geschäftsführung ohne Technikhintergrund ist das eine brauchbare Landkarte. Man sieht, wo man steht und was als Nächstes kommt.

Nur beantwortet das nicht die Frage, die ich aus 2003 mitgenommen habe: Kommt das Wissen des Betriebs überhaupt in den eigenen KI Wissensspeicher hinein? Warum eine Auslegung gewählt wurde, welche Anwendungsbedingungen eine Maschinenleistung einschränken — das liegt in den Köpfen der Mitarbeiter und in selbst angelegten Exceltabellen.

Mit wachsender Autonomie ändert sich, was eine Lücke anrichtet. Solange die KI nur zuarbeitet, prüft ein Mensch das Ergebnis und merkt, dass etwas fehlt. Ein selbst handelnder Agent füllt das Fehlende mit einer stillen Annahme und liefert sie als Antwort aus.

Vor der nächsten Ausbaustufe steht deshalb eine andere Frage: Wie viel Betriebswissen steht heute drin? Kein gängiges Reifegradmodell führt diese Größe als Kennzahl. Ein Betrieb kann jahrelang Stufen erklimmen, ohne sie je gemessen zu haben. Was in Ihrem Betrieb steht nur im Kopf oder in der eigenen Excel-Tabelle?

Serie K: Vom KI Hype zum Organisationsprojekt - Wie viel Betriebswissen steht in Ihrem KI System drin?

Nr. 308 · Cord Cassel · Zuerst erschienen auf LinkedIn, hier in der Originalfassung.

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